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Present Paradox: A Vibrant Sea (Review)

Artist:

Present Paradox

Present Paradox: A Vibrant Sea
Album:

A Vibrant Sea

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Indie- und Alternative Rock, Singer/Songwriter, Chamber Folk

Label: Paradox Tape Records/Eigenvertrieb
Spieldauer: 42:28
Erschienen: 17.04.2026
Website: [Link]

Wenn einen ein Album mit seinem fragilen Beginn – akustische Gitarre, rhythmisches Tackern und eine Stimme, welche einen in ihrer ganzen nachdenklichen Trauer einfängt – gleich den Atem raubt, den man spätestens dann anhalten sollte, wenn das Wasserrauschen beginnt, damit man nicht völlig ertrinkt, dann steht einem ein ganz besonderes (durchaus atmosphärisch bedrückendes) Hörerlebnis bevor...
...Oder dann beschert uns ein David Kleinekottmann als PRESENT PARADOX erneut eine musikalische Großtat der besonderen Art.
Eine, die verunsichern kann, nachdenklich und traurig macht, den großen Melancholiker in jedem, der sich dieser Musik gänzlich hingibt, weckt.
A Vibrant Sea“ ist diesbezüglich zu 100% eine melancholische Abenteuerreise geworden, die auch vom Sound her besonders auf Vinyl ihre ganze klangvolle Schönheit entfaltet.
Ähnliches kennt man – wenn überhaupt – von einem Michael Seele und seinen großartigen THE BEAUTY OF GEMINA, wobei es durchaus nicht nur von den Stimmungen sondern auch der Stimme her einige Kleinekottmann-Seele-Parallelen zu vermelden gibt.


Als ein Benjamin unter unserer Seite im Kommentar zum 2024er-Vorgänger von „A Vibrant Sea schrieb: „Schönes Album! Nicht alle Tracks überzeugen mich, aber insgesamt schon echt gut. Könnte etwas mehr Bekanntheit vertragen die Band“, da konnte – nein: MUSSTE – man ihm völlig recht geben.
Nur leider wird dies wohl ein unerfüllter Wunsch bleiben. Dass nunmehr aber „A Vibrant Sea“ noch dermaßen einen draufsetzt, sodass man als leidenschaftlicher Musikkritiker diese Aufmerksamkeit regelrecht einfordern will, weckt wohl höchstens Hoffnungen in diesem krankhaften, tempooptimierten Klick-Zeitalter, welches sich auch Kleinekottman in seinen Texten vorknöpft. Nur wird dieser Wunsch wohl auch dieses Mal leider in besagtem Zeitalter wieder fast ungelesen und ungehört verklingen. Dabei hat bereits das Titelstück nicht nur musikalisch, sondern auch textlich – die Hoffnung etwas zu erreichen, was man bereits vor Augen hat, dann aber doch nicht zu fassen bekommt oder auf schreckliche Weise verfehlt – so viel zu bieten, wozu der Mann hinter PRESENT PARADOX feststellt: „Es ist weniger ein Scheitern als ein In-der-Luft-Hängen“.


Wer nicht in der Luft hängen muss, ist der Hörer des Albums.
Die düster gehaltenen Klänge und die eine gewisse Verzweiflung ausdrückenden Texte sind mehr als deutlich. Manchmal entsteht der Eindruck, David Kleinekottmann hat sich fest vorgenommen, auf „A Vibrant Sea“ unbedingt an den schwarzen Bowie-Stern zu erinnern, der so viel Tragik wie Faszination in sich trägt. Hierbei setzen mitunter direkt aus dem heiligen, schwarzbesternten Himmel plötzlich mal eine himmlische Trompete ein, die heilig gesprochen werden sollte oder ein Saxophon und wummernde elektronische Bass-Rhythmen wüten, während Flötentöne dann letzten Endes einen wieder in himmlische Gefilde entführen. Dazu kommen immer wieder Streicher-Arrangements plus Delay-Gitarren-Sounds und hypnotische Loops, die einem FRIPP viel Freude bereiten würden.


Solche floydianisch psychedelischen Ausflüge samt ausbrechendem, vandergraafschem Saxophon-Part auf „Apologies“ oder diese fripp/enoschen Loops bei „Blinded By The Light Of The Screen“ treiben einen schier in den Wahnsinn. Außerdem vertonen sie das besungene, schwer verdauliche Thema über unsere digitale Gegenwart, in der wir vor den flimmernden Bildschirmen erblinden und unsere geistige Komplett-Umnachtung nach und nach eintritt: „Just give me an simple answer...“. Genau diese einfache Antwort bleibt leider aus, während uns all die Lügen und gezündeten Nebelkerzen einlullen, sodass die Steigerung zum Ende des Songs hin nach purer Verzweiflung klingt.
Auch hierfür findet David Kleinekottmann genau die richtigen Worte: „So heißt es ja in einer Zeile 'Everyone feels the same way' – und das ist ja genau der Moment, in welchem der Song wärmer und zugänglicher wird. Weil das Gefühl, dass das alles gar nicht so individuelle Erfahrungen sind, die man macht, tröstlich ist. Also, was ich sagen will, es gibt da in den Dingen sicherlich einen gewissen gemeinsamen Nenner. Und den habe ich versucht aufzuspüren, würde ich rückblickend sagen.“


DAVID BOWIE oder NICK CAVE lächeln uns bei Kleinkottemann aus jeder Musik-Pore (besonders „Stand Still“) an, wofür es mehr als einen guten Grund gibt, der sich unmittelbar auf die Zeit der Entstehung dieses Albums bezieht: „2024 und 2025 waren musikalisch sehr inspirierende Jahre. Alben von THE SMILE, NICK CAVE, SQUID oder IDLES waren wichtige Bezugspunkte und bildeten so eine Art musikalische Schablone für das, was sich gesellschaftlich wie privat ereignet hat“.
Und außerdem: Wer auf einen David als Vornamen verweisen kann und zugleich Musiker ist, der trägt doch eine ernsthafte Verpflichtung, oder?
David Kleinekottmann nimmt diese auf seinem aktuellen Album jedenfalls sehr ernst!


Ähnlich ernst nimmt er zugleich die Gestaltung von „A Vibrant See“. Das Album erscheint nicht nur wie ein kleines malerisches Kunstwerk, sondern sogar im Inneren der Vinyl-Ausgabe bringt es ein 12-seitiges, LP-großes Booklet als besondere Zierde zum Vorschein, das farblich kunstvoll gestaltet ist sowie alle Texte enthält – die David Kleinekottmann offensichtlich ungemein wichtig sind – weswegen sie deutlich und groß (pro Seite ein Text) nachzulesen sind. Sogar auf eine dazu passende, farbig bedruckte Innenhülle, in der das schwarze Vinyl steckt, wurde nicht verzichtet. Der gestalterische Hintergrund fand seine Inspiration übrigens vom Twistesee im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg, sodass nicht nur das LP-Cover durch ihn illustriert wird, sondern in dessen Nähe auch die wichtigsten Aufnahmen zu diesem Album entstanden. Da durch diese Inspiration weitere Stücke entstanden, ist laut Kleinekottmann schon eine Fortsetzung in Planung, auf die man nach „A Vibrant Sea“ mehr als gespannt sein darf.


FAZIT: PRESENT PARADOX, das Musikprojekt von David Kleinekottmann, zeichnet sich seit Anbeginn durch viel Melancholie und Tiefe aus, die einen mitunter schier in ihrer düsteren Grundstimmung ein wenig in das schwarze Musikloch fallen lassen, in dem man bereits in der Tragik des 'Blackstar' eines DAVID BOWIE gestürzt war. Mit seinem Album „A Vibrant Sea“ lädt uns Kleinekottman zu einer musikalischen Reise an den Twistesee ein und scheut dabei keine Kosten und Mühe, beim Klang und der Gestaltung jede Menge Grenzen zwischen Indie- und Alternative Rock, Singer/Songwriter-Texten, Chamber Folk und Streicher-Arrangements plus Delay-Gitarren-Sounds und hypnotische Loops sowie wilden Saxophon-Ausbrüchen auszuloten, die hinter einer malerisch kunstvollen LP-Hülle samt ebenso kunstvollem 12-seitigen LP-Booklet verborgen sind. Eine emotionale Achterbahnfahrt durch die Abgründe der Seele, die danach schreien, von PRESENT PARADOX melancholisch und manchmal auch lautstark, aber immer sehr atmosphärisch sowie gestalterisch, offengelegt zu werden.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 45x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (20:31):
  • A Vibrant Sea (5:21)
  • Office Words (4:02)
  • Apologies (4:23)
  • Blinded By The Light Of The Screen (6:45)
  • Seite B (21:57):
  • Stand Still (4:59)
  • The Edge (5:03)
  • Faust Barre (7:39)
  • White Paper (4:16)

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