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Nautilus: A Castle Full Of Secrets (Review)

Artist:

Nautilus

Nautilus: A Castle Full Of Secrets
Album:

A Castle Full Of Secrets

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Sireena Records
Spieldauer: 69:00
Erschienen: 10.04.2026
Website: [Link]

NAUTILUS begeben sich in „A Castle Full Of Secrets“ auf eine musikalische Entdeckungsreise mitten hinein in das geheimnisvolle Schloss auf den Karpaten Transsylvaniens, in dem schaurige Geheimnisse verborgen sind, um diese mithilfe der progressiven Klangvielfalt der Nautilaner zu bergen. Bei so viel romantischer Geheimniskrämerei scheinen ein E.A. Poe oder Jules Verne und R.M. Rilke nicht weit, die einen schon immer mit ihren geheimnisvollen, poetischen Texten zu verzaubern wussten. In ähnlicher Weise verzaubern einen die deutschen Romantik-Progger auch mit ihren wunderschönen, an NOVALIS oder frühe Krautrock-Träumereien erinnernden 10 Stücken, die auf dem bereits 10. Album in trauter Tradition erneut eine Geschichte von JULES VERNE als Grundlage ihrer Musik intonieren.


Hätte ein Jules Verne jemals ahnen können, als er den Roman „Das Karpatenschloss“ im Jahr 1892 veröffentlichte, dass genau dieser 134 Jahre später in den musikalischen Mittelpunkt retro-progressiver und elektronischer Klangschönheit gerückt wird?
Sicher nicht.
Genauso wenig wie die Tatsache, dass sich eine Band (schon vom Bandnamen her) nunmehr seit 28 Jahren voll und ganz seinen Werken verschreibt und diese auf ihre einfallsreiche, komplexe Art vertont, die von floydianischem Gitarrenklang bis hin zu TANGERINE DREAM- oder JEAN-MICHEL JARRE-Electronics alles beinhaltet, was das Herz des progressiven Musikhörers höherschlagen lässt und sich auf eine elektroakustische Reise mitten in das geheimnisvolle, sich auf einem einsamen Berg erhebende, von Wasser umgebene Schloss in den Karpaten begibt.


So gesehen gilt auch für „A Castle Full Of Secrets“ dieses 'Und immer wieder grüßt das Murmeltier'-Klischee. Wir wachen auf und hören Musik unserer ehemaligen Helden, die unverkennbar in NAUTILUS' Klangwelten wiedererweckt werden. Nennt es retro, nennt es Nostalgie-Besinnung – aber nennt es auch immer eine beeindruckende Zeitreise in die Vergangenheit, bei der die Musik von einem Froese bis zu einem Gilmour und alles dazwischen Vorstellbare omnipräsent ist, genauso wie die futuristischen Visionen eines Jules Verne, der als Auslöser dieser klanglichen Traumfahrten dient, welche zum Großteil instrumental sind und ganz wenig Gesang oder gesprochene Passagen beinhalten, die mit einem Zitat von Mr. Verne (auch im dreiflügeligen Digipak nachzulesen) des Jahres 1892 beginnen: „Diese Geschichte ist nicht vordergründig fantastisch, sie ist mehr romantisch. Wir leben in einer Zeit, in der alles möglich scheint.“


Hier kreischen die Vögel („Twilight In Wonderland“), es heulen die Wölfe („Soulmate Spirits“), Gewitter krachen („Vampire Cathedral“) und man hört in „Smoke Above The Castle“ regelrecht die wabernden Nebel inmitten der finsteren „Mysty Morning Lights“ aufsteigen, bis einen ganz überraschend herrlich elektronische JEAN-MICHEL JARRE-ähnelnde Klänge darauf vorbereiten, das finstere – diesmal deutlich an einen VANGELIS gemahnende – „Vampire Cathedral“ zu betreten, in dem sich eine wunderschöne Schlafende („Sleeping Beauty“) befindet. Zeit sie zu befreien oder wenigstens aufzuwecken, doch Vorsicht - überall lauert Gefahr, die man bestens hören kann; wiedergegeben von einem Instrumentarium voller Vintage-Sounds und neben dem klassischen Rockinstrumentarium umfangreich zum Einsatz kommenden Synthesizern und Sequenzern.
Am Ende des Albums erwartet einen (Proggie-Herz, was willst du mehr?) ein epischer 10-Minuten-Longtrack mit weit ausladendem (Hallo, Mr. Gilmour!) Gitarren-Solo. Wellenrauschen und eine akustische Gitarre nehmen danach endgültig Abschied von dem geheimnisvollen Schloss mit den sieben Siegeln – oder besser doch 10 Songs – und hinterlassen einen Hörer, der tief in Erinnerungen an die schönsten Klänge seiner ehemals romantischen wie progressiven Vergangenheit schwelgen darf.


NAUTILUS sind auch auf ihrem zehnten Album wiederum eine wahre Wonne für Erinnerungsschwelger, die sich nie und nimmer aus der Zeit lösen wollen, in der von A wie ALAN PARSONS PROJECT bis V wie VANGELIS sowie geheimnisvollen wie bedrohlichen Harmonien und natürlich wunderschönen utopischen Romanen ein gewichtige Rolle spielten. Vielleicht weil es damals keine Smartphones gab, denen man seine ganze Persönlichkeit verkaufte und als Mittelpunkt des eigenen Lebens ansah. Der Mittelpunkt von „A Castle Full Of Secrets“ ist eine Vergangenheit, die – aus heutiger Sicht (zumindest des Kritikers) – deutlich spannender, natürlicher und erlebnisreicher, aber auch vielfältiger und besser klingend war. Ein progressiver Traum, der noch immer nicht ausgeträumt ist, aber leider immer mehr verblasst. Doch so lange es noch Bands wie NAUTILUS gibt, die uns mit ihrer Musik nicht nur daran erinnern, sondern diese auch unmittelbar in die Gegenwart holen, braucht es niemandem bange sein. Nur entdecken müssen wir sie selber. Doch alle, die solche Musik mögen, haben sich sowieso längst daran gewöhnt, diese auch suchen zu müssen. Mit „A Castle Full Of Secrets“ von NAUTILUS haben wir jedenfalls ein weiteres diesbezügliches Goldstück entdeckt.


FAZIT: Mit progressivem Artrock in geheimnisvoller Atmosphäre und durchdrungen von den utopischen Gedanken eines Jules Verne kommt auch das bereits zehnte Album der deutschen Romantik-Artrocker NAUTILUS daher. Basierend auf dem Verne-Roman „Das Karpatenschloss“ darf wieder tief in die Retro-Vergangenheit romantischen, größtenteils instrumentalen Progressive Rocks, der zugleich von TANGERINE DREAM über VANGELIS bis JEAN-MICHEL JARRE auch eine Unmenge spannender Electronics enthält, eingetaucht werden.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 145x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Twilight In Wonderland
  • Visions Of Stilla
  • Smoke Above The Castle
  • Soulmate Spirits
  • Vampire Cathedral
  • Sleeping Beauty
  • Time For A Change
  • When The Pictures Learned To Move
  • The Count And The Lady
  • Misty Morning Lights
  • The Last Days Of Empathy

Besetzung:

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